ub041104

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Published on October 23, 2007

Author: Alien

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Soziale Urteilsbildung:  Soziale Urteilsbildung Wintersemester 2004/05 Soziale Urteilsbildung 2. Sitzung:  Soziale Urteilsbildung 2. Sitzung  Was sind „soziale Kognitionen“?  - u.a. Definitionen, Modi, Antezedenzen,  Konsequenzen   Unbewußte und bewußte Kognitionen: - Schemata, „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“,  Urteilsheuristiken  Kontrollierte Denkprozesse - (un-)bewußte Verdrängung, automatische Akzeptanz  Automatisches Denken und Vorurteile  Soziale Kognition Kognition: allgemein:  Soziale Kognition Kognition: allgemein Kognitionen sind das Ergebnis hirnorganischer Prozesse, die die Wahr-nehmung organisieren, das Gedächtnis beeinflussen und das Verhalten steuern. Sie äußern sich in mehr oder weniger kommunizierbaren (bewußten) Gedanken, Gefühlen, Entscheidungen, Bewertungen, Motiven, Absichten und Verhaltensweisen. Im einfachen Reiz - Reaktionsschema sind sie sowohl antezedent als auch intermedierend und konsequent. K ---> (S --> R) S ---> K ---> R (S --> R) ---> K  Soziale Kognition Definition:  Soziale Kognition Definition Beziehen sich Kognitionen auf einen oder mehrere Menschen (sich selbst eingeschlossen),nennt man sie soziale Kognition: „Art und Weise wie Menschen über sich selbst und ihr soziales Umfeld denken, oder noch spezifischer, wie sie soziale Informationen selektieren, interpretieren und im Gedächtnis behalten um Entscheidungen zu treffen und sich Urteile zu bilden.“ (Aronson et al., 2004, S.61) Soziale Kognition & Soziale Interaktion:  Soziale Kognition & Soziale Interaktion Soziale Kognitionen sind Bestandteil sozialer Interaktionen. Die wichtigsten Konzepte zur Beschreibung sozialer Interaktionen sind: Kognitionen (subjektiv, z.B. Motive) Objekte (objektiv u. subjektiv, z.B. Personen) Situationen (objektiv u. subjektiv, z.B. Seminar) Verhalten (objektiv u. subjektiv, z.B. Referat) Soziale Kognition Der Fall Amadou Diallo:  Soziale Kognition Der Fall Amadou Diallo Amadou Diallo , ein Afro-Amerikaner, der in der Bronx lebte, wurde 1999 von vier weißen Polizisten erschossen, die glaub-ten, in ihm einen gesuchten Serienvergewaltiger zu erkennen. Im Eingangsbereich eines Hochhauses forderten die Polizisten Diallo auf, stehen zu bleiben. Als Diallo (wahrscheinlich) nach seiner Geldbörse griff, zögerten die Polizisten keinen Augen-blick und schossen insgesamt 41 mal auf ihn. Diallo war sofort tot. (vgl. Aronson et al., 2004, S. 61) Soziale Kognition Der Fall Amadou Diallo:  Soziale Kognition Der Fall Amadou Diallo Soziale Kognition Modi:  Soziale Kognition Modi War es Mord, Tötung im Amt oder Notwehr? Handelten die Polizisten überlegt oder „gedankenlos“? (Zwei) Modi Sozialer Kognitionen „gedankenlos“ ------------------------------- überlegt automatisch ------------------------------- kontrolliert unbewußt ------------------------------- bewußt schnell ------------------------------- langsam  Soziale Kognition Automatisches Denken:  Soziale Kognition Automatisches Denken „Automatisches Denken kann definiert werden als ein Denken, das unbewußt, absichtslos, unwillkürlich und mühelos abläuft.“(vgl. Aronson et al., 2004, S. 62) Ergänzung: “...basierend auf Erfahrungen der Vergangenheit“ (a.a.O.) und unter Einbeziehung erworbener (oder gar genetisch determinierter) Schemata. Soziale Kognition Schemata:  Soziale Kognition Schemata Schemata „... sind mentale Strukturen, die Menschen benutzen, um ihr Wissen in Themenbereiche oder Kategorien bezüglich der sozialen Welt zu organisieren. Sie beeinflussen die Information, die wahrgenommen wird, über die der Mensch nachdenkt und an die er sich erinnert.“ (Aronson et al., 2004, S. 62) selektieren Schemata organisieren Information speichern Soziale Kognition Schemata: Unterscheidung:  Soziale Kognition Schemata: Unterscheidung Schemata selektieren, organisieren u. speichern Informationen über Objekte, Situationen und Verhalten. Stereotyp: Verallgemeinerung von Informationen über Personen (Klassifikation: z.B. „Die Schwarzen“, „Die Polizisten“) Prototypische Situation1: Klassifikation von Situationen, z.B. „Die Bronx“ oder „Bedrohliche Situation“. Script2: Häufig wiederkehrende, erlernte oder trainierte Abfolge von Verhaltensweisen, z.B. „Festnahme einer Person“ oder „Gefahrenabwehr bei Festnahme“ 1) vgl. Magnusson & Ekehammar (1973) 2) vgl. Schank & Abelson (1977)  Soziale Kognition Schemata: Funktion:  Soziale Kognition Schemata: Funktion Schemata - steuern die Aufmerksamkeit - filtern inkonsistente oder widersprüchliche Informationen - beeinflussen, was wir im Gedächtnis behalten Je größer die Abweichung der Information vom Schema, desto höher die Wahrscheinlichkeit, sich zu erinnern. Aber: Das Gedächtnis arbeitet rekonstruktiv. Informationslücken werden in Konsistenz mit dem vorhandenen Schema und Wissen (unbewusst) aufgefüllt. (Beispiele: Casablanca „Play it again, Sam. “/ Raumschiff Enterprise „Beam me up, Scotty!“ Soziale Kognition Schemata:  Soziale Kognition Schemata „Erinnerungsrekonstruktionen tendieren also dazu, mit den Schemata des Einzelnen konsistent zu sein.“ (Aronson et.al., 2004, S. 66) Beispiel (a.a.O): Experiment von Carli (1999) Heiratsantrag (UV, Story 1) Pärchen fährt auf Skihütte Vergewaltigung (UV, Story 2) Nach zwei Wochen (AV) Erinnerungstest mit Items wie „Jack überreichte Barbara ein Dutzend Rosen.“ oder „Jack trank gerne Alkohol“, die in beiden Storys vorkamen oder nur in der einen oder anderen. Ergebnisse: Soziale Kognition Schemata:  Soziale Kognition Schemata „Erinnerungsrekonstruktionen tendieren also dazu, mit den Schemata des Einzelnen konsistent zu sein.“ (Aronson et.al., 2004, S. 66) Beispiel: Experiment im Demo.-Praktikum1) Zuschreibung sympathische Person (UV1, 1) positiver/negativer Eigenschaften selbst (UV1, 2) (UV2,1/UV 2,2) unsympath. Person (UV1, 3) Nach ca. 30 min. (AV) Erinnerungstest: Welche positiven/negativen Items habe ich welchem Typ (selbst, sympathische, unsympathische Person) zugeschrieben? Ergebnisse: 1. %Richtige Antworten 2. A(moc) 3. P(ja) (nach Upmeyer & Cleary, 19??) Soziale Kognition Schemata:  Soziale Kognition Schemata Wenn Schemata zu „Gedächtnisfehlern“, „Urteilsverzerrungen“ oder gar „Fehlverhalten“ führen, haben sie auch eine positive Funktion? Schemata erlauben rasches Erkennen, Verstehen und Handeln in sozialen Situationen. Fehlende Schemata führen zu Unsicher-heit oder gar Panik, zu „unangepaßtem“ Verhalten, Ersatzhandlungen oder Handlungsunfähigkeit, wie sie häufig bei Demenzerkrankungen zu beobachten sind (z.B. Korsakoff-Syndrom).  Soziale Kognition Schemata: availability:  Soziale Kognition Schemata: availability Wann werden Schemata wirksam (availability)? Unter Unsicherheit: „Je mehrdeutiger und zweifelhafter eine Information (Situation) ist, desto eher werden Schemata herangezogen...“ Aronson et al., 2004, S. 64) Chronisch im Vordergrund: Die Schemata sind quasi im Sinne einer Persönlichkeitseigenschaft (z.B. Philanthropie oder Mysogenie) sehr häufig oder immer aktiv. Aufgrund von Erlebnissen: Eindrucksvolle Erlebnisse in der Vergangenheit können „chronische“ Schemata entstehen lassen (z.B. Phobien). Aufgrund von „priming“:  Soziale Kognition Schemata: priming:  Soziale Kognition Schemata: priming Priming: Die Schemata werden aufgrund von (unmittelbaren) Wahrnehmungen oder Ereignissen (intern oder extern) initia-lisiert (angeregt, angestoßen). Beispiel: Kinder verhalten sich gegenüber einer Puppe eher positiver, wenn sie eine Geschichte gehört und gesehen haben, in der die Puppe eine positive Rolle spielt, im Vergleich zu einer Geschichte, in der die Puppe eine negative Rolle spielt (Roth & Upmeyer (1989)). Soziale Kognition Schemata: priming:  Soziale Kognition Schemata: priming Positives/negatives Verhalten nach einer Geschichte Soziale Kognition Auffälliges Verhalten:  Soziale Kognition Auffälliges Verhalten Auffälliges Verhalten (oder das „richtige“ Schema zur „falschen“ Zeit) führt häufig zu sozialen Konflikten. Beispiele: Der „Oberlehrer“ Die „Psychopathie“ Das „Tourette-Syndrom“ Soziale Kognition Schemata:  Soziale Kognition Schemata Weitere Bedingungen und Konsequenzen:  Perseveranzeffekt  Sich selbst erfüllende Prophezeiung  Kulturelle Determinaten Soziale Kognition Urteilsprozesse:  Soziale Kognition Urteilsprozesse (Mehr oder weniger) bewußte und unbewußte Strategien:  Urteilsheuristik - emotionale vs. - rationale Urteile (und Entscheidungen)  Verfügbarkeitsheuristik [Referat: Schwarz et al. (1991)]  Repräsentativitätsheuristik - Klassifikation nach Ähnlichkeit zum Prototyp Fortsetzung  Soziale Kognition Urteilsprozesse:  Soziale Kognition Urteilsprozesse (Mehr oder weniger) bewußte und unbewußte Strategien:  Anker- und Anpassungseffekte - subjektiver Anker (z.B. Zahl) - subjektiver Range (Breite des Spektrums)  Systematische Urteilsverzerrungen [Referat: Hamill, Wilson & Nisbett (1980)] (Beispiel: „Gedankenexperiment“ (s. Anderson et al. (2004), S. 84)  Soziale Kognition Aufwändiges Denken:  Soziale Kognition Aufwändiges Denken Kontrollierte soziale Kognitionen (Aufwändiges Denken) - sind bewußt, absichtlich und freiwillig, - erfordern Zeit und Anstrengung/Aufwand, - setzen ein Motiv voraus (Absicht, Zielsetzung, Aufgabe), - sind immer im Fokus der Aufmerksamkeit („Vordergrund“) - führen nicht zwangsläufig zu besseren Ergebnissen und - sind nicht unabhängig von automatischen Kognitionen (Urteilsprozessen).  Soziale Kognition Automatische Akzeptanz:  Soziale Kognition Automatische Akzeptanz Unbewußte Denkprozesse vs. Bewußte Verdrängung Automatische Akeptanz (Gilbert, 1991) Prozeß Akzeptanz einer Information automatisch Überprüfung des Wahrheitsgehalts kontrolliert De-Akzeptanz kontrolliert Fortsetzung  Soziale Kognition Bewußte Verdrängung:  Soziale Kognition Bewußte Verdrängung Unbewußte Denkprozesse vs. Bewußte Verdrängung Unterdrückung von Gedanken (Wegner, 1992) Monitor sucht nach Gedanken Bewußtsein Operator sucht nach Ablenkung, um Gedanken zu unterdrücken Gedächtnis kontrolliert automatisch  Soziale Kognition Bewußte Verdrängung:  Soziale Kognition Bewußte Verdrängung Unbewußte Denkprozesse vs. Bewußte Verdrängung Unterdrückung von Gedanken (nach Wegner, Erber & Bowman, 1995)  Soziale Kognition Kontrafaktisches Denken:  Soziale Kognition Kontrafaktisches Denken Unbewußte Denkprozesse vs. Bewußte Verdrängung Verarbeitung negativer Erlebnisse/Ergebnisse: Kontrafaktisches Denken: (nach Medvec et al., 1995)  Soziale Kognition Automatische Denkprozesse & Vorurteile:  Soziale Kognition Automatische Denkprozesse & Vorurteile Automatische Denkprozesse & Vorurteile (Fiktive Daten zu einem Experiment von Cornell et al., 2002) S1 Person mit Waffe, S2 Person ohne Waffe R1 Schießen, R2 Nicht schießen 

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